Deutsche Städte blühen auf – die Industrie kehrt in die Stadt zurück und mit ihr der wirtschaftliche Wohlstand

Autorinnen: Dr. Daniela Baer, Regina Sonntag

Die deutsche Pharmaindustrie entwickelt in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts ein einzigartiges Medikament – ‘longlife‘- , welche das menschliche Immunsystem so drastisch stärkt, dass selbst chronische Krankheiten mittel- bis langfristig durch die körpereigenen Ressourcen geheilt werden können. Dieses Medikament ist nicht nur ein Segen für die Menschheit, sondern auch das i-Tüpfelchen der einmaligen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte Deutschlands, die 2012 ihren Ursprung nimmt und Deutschland im Jahr 2030 zum neuen Zugpferd der Globalisierung werden lässt.

In diesem Jahr wird von der Bundesregierung die Bedeutung der Industrie für die Zukunft der deutschen Wirtschaftskraft (wieder-)erkannt und ein interdisziplinärer Expertenrat zur Zukunft der Industrie, „Future Industries“, einberufen. Unter den weitsichtigen Experten herrschte Einigkeit darüber, dass sich die Zukunft der Industrie nicht ohne die Stadt als Verortungsraum der Industrie denken lässt. Die Stadt wird als Keimzelle erkannt, da nur hier ein qualifiziertes Fachkräfteangebot auf eine Hohe Innovationsfähigkeit, u.a. aufgrund der Nähe zu Forschungseinrichtungen, trifft.

Die Handlungsempfehlungen des Rates werden von Seiten der Regierung zeitnah aufgegriffen und umgesetzt. Als wichtigste Neuerung gilt hierbei die Etablierung einer Taskforce „Future Urban Industrie“ zwischen Wirtschafts-, Finanz-, Bau- und Sozialministerium, welche – ausgestattet mit dem größten Finanzierungspaket in der Geschichte der Bundesrepublik (Sondervermögen aus den letzten Privatisierungserlösen des Bundes) – sich der Verbesserungen der Ausgangsbedingungen für die Industrie in den Städten annimmt. Diese bundesweite Wirtschaftsförderungsbestrebungen (u.a. Forcierung der Clusterinitiativen, Ausbau des aktiven Flächenmanagements, Gesetzesnovellierung zur besseren Vereinbarung verschiedener Nutzungsformen (Wohnen-Industrie-etc.)) finden auch in der Stadtentwicklungspolitik und Wirtschaftsförderung von urbanen Stadtregionen ihren Niederschlag. Auf dieser Ebene wird vorrangig in hochqualifiziertes Personal investiert, welches als zentrale Schlüsselfigur den Dialog zwischen den beteiligten Stakeholdern in den Städten intensiviert und als Impulsgeber die Entwicklung der Industrien beflügelt.

Als weitere Neuerung erhöht die Taskforce die Kapitalverfügbarkeit für die Industrie als auch für die Städte durch neue Förderprogramme.

So sind es in der Folge gerade die regionalen Netzwerke, bestärkt durch die Clusterförderung und gezielt moderiert und gemanagt durch charismatische Wirtschaftsförderer bzw. Clustermanager, die Erfolgsgeschichten wie das Medikament ‘longlife‘ Wirklichkeit werden lassen. Die Netzwerke finden sich ausschließlich in den Städten, da nur hier eine gute industrielle Basis, die Nähe zu Forschungseinrichtungen, ein kreatives Milieu und ein hochspezialisiertes und motiviertes Arbeitskräfteangebot zusammenkommen. Innerhalb dieser räumlich engen, auf face-to-face Kontakten aufbauenden Netzwerke werden Innovationen zum Selbstläufer, quasi wie ehemals die industriellen Produkte in den Zeiten der Massenfertigung, „am Fließband produziert“. Eine der weiteren Gründe hierfür liegt in dem hohen Bildungsstand der Fachkräfte. Das Bildungsministerium hat seine „Hausaufgaben“ des Expertenrates erfüllt und bereits 2012 mit dem Umbau des Bildungssystems hin zum „skandinavischen Modell“ begonnen. Daneben sichert eine intelligente Einwanderungspolitik den Zuzug ausgebildeter Fachkräfte und die gutbudgetierten Stadtmarketinggesellschaften dafür, dass sich hochqualifizierte Arbeitskräfte in den Städten wohlfühlen (z.B. Erhöhung der Kulturausgaben, Schaffung durchmischter Quartiere, …). Im Zuge der Revitalisierung der Städte und zeichnen sich gerade die urbanen Zentren für Hochqualifizierte und Zuwanderer aus dem Ausland durch eine hohe Attraktivität aus.

In den Städten ist ein aktives Flächenmanagement installiert, dass neben einem umfassenden Flächenkataster auch die Verfügbarkeit der (Brach-)Flächen sicherstellt (u.a. Programme zur Altlastensanierung, rechtl. Klärung der Eigentümerverhältnisse, aktive Ansprache der Eigentümer/Projektentwickler, Flächenvorratspolitik etc.). Diese Maßnahmen wirken sich ebenfalls positiv auf den Preis der Flächen aus, so dass den Industrien nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ ein attraktives Flächenangebot bereit steht.

All diese Entwicklungen schlagen sich schnell im Stadtbild wieder, denn bereits 2013 siedeln sich wieder vermehrt Industrien in den deutschen Städten an. Anfangs handelt es sich zunächst um (Rück-) Verlagerungen einzelner Unternehmensbereiche, welche in peripheren Räumen zusehends Schwierigkeiten mit der Anwerbung qualifizierten Personals hatten (s.o.). Nach und nach greifen darüber hinaus die vielfältigen Förderungsmaßnahmen und zunehmend entstehen

Unternehmensneugründungen oder –erweiterungen. In den Städten finden sich nicht nur die Verwaltung oder Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Unternehmen, sondern gerade auch die Produktion entdeckt den Standort Stadt für sich. Wobei sich diese Produktion sehr diversifiziert darstellt. Neben der kleineren Serienproduktion mit technologisch anspruchsvoller Technik und hoher Flexibilität finden sich auch sehr handwerkliche Produktionsweisen im Bereich des modernen Manufakturwesens. Ein Beispiel ist die deutsche Weltmarke ecowear, welche durch die Produktion ökologischer Haute Couture in kleinen Stückzahlen den fashion-markt revolutionierte. Durch diese Breite an Branchen und Produktionsmethoden, verbunden mit einem immerwährenden Nachschub neuer Ideen und Produkte, verringert die deutsche Wirtschaft ihre Anfälligkeit für konjunkturelle Schwankungen.

Das dichte räumliche Nebeneinander von Industrie und Mensch/Natur in den deutschen Städten ermöglicht der technologische Fortschritt, der Emissionen der produzierenden Unternehmensbereiche zu einem vernachlässigbaren Punkt werden lässt. Die Umweltqualität insgesamt erhöht sich. Das Nebeneinander wird gleichfalls durch das starke Engagement der Unternehmen vor Ort beflügelt (z.B. Sponsoring, mitarbeiterfreundliche Beschäftigungsmodelle,…), so dass von einem „neuen Miteinander“ zwischen Stadtbewohnern und Industrie gesprochen werden kann.